Ralph Herbert Bothe .
  History
 


Ralph Herbert Bothe

   Die Geschichte um den inzwischen in Bandangelegenheiten kaum noch aktiven Drummer nahm ihren Lauf, als die Doors 1968 mit „Touch me“ einen weiteren Chart-Erfolg landeten. Zwei Schreibstifte wurden spontan zu den ersten Drum-Sticks. Und zwei Jahre alleinigen Übens auf Keksdosen und einer Stabilbaukastenscheibe als Cymbalersatz, und schließlich erste Interaktionen mit Gleichgesinnten in Sachen populärer Musik folgten. - Bothe hatte autodidaktisch angefangen; und Autodidakt blieb er bis heute. Bis in die Mitte der 80er spielte er mehr intuitiv, als das er über allzu hintergründige Kenntnisse über Noten und Musiktheorie verfügte. Zu ersten Erkenntnissen über Notenwerte zwang ihn 1982 aber schon die Situation einer wachsenden Nachfrage nach Schlagzeugstunden. Er ahnte nicht, dass das Unterrichten seines Instrumentes ein fester Bestandteil seines Lebens bis in die Gegenwart werden sollte.

    Ein erstes ernsthaftes aber nur zu bald instabiles Bandprojekt (Albatros) entstand irgendwann um 1972. Albatros' Musik versprühte mühelose Grenzenlosigkeit zwischen Jazz und Rock mit klassisch-romantisch angehauchten Tupfern. Die Band zu der auch der Gitarrist und spätere Trompeter Jean-Pascal Dunstheimer gehörte, spielte nur zwei Konzerte - es waren die ersten Bühnenerlebnisse des Drummers.

    Es folgten Jahre immer neuer Bandkonstellationen: Eternity, Nebukatneza, F.I.G., Godwin Austin Band, Matchbox und Dr. Rocket & the Burning Wheels. Die drei letzten waren Coverbands und mit ihnen lies sich ab ca.1975 erstmals etwas Geld verdienen. Konfliktstoff innerhalb dieser Formationen, wie auch späteren Bands dieser Art, war immer aufs neue sein wohl als Untreue missverstandener Wunsch nach musikalischer Individualität.

    Spätestens, als sich 1979 aus verschiedenen musikalischen Himmelsrichtungen eine Bandbesetzung herauskristallisierte, die - von einer kollektiven Aufbruchstimmung getrieben - schon nach wenigen Monaten die erste Single produzierte (Secondary Boulevard Talk), gab es für den Drummer zu einem Leben als Musiker keine Alternative mehr. Mit den Bandkollegen Wilfried Jeschke, Thomas Mailänder, Ulrich Lißner und Jürgen Köpke gelangen in den folgenden Jahren zahlreiche umjubelte Konzerte. Aber es gab auch die anderen, die, frei von Begeisterung - meist mangels Gästen - mehr Kosten verursachten, als irgendeinen Nutzen für die Band hatten - von der Live-Routine einmal abgesehen. Vom Hamburger Label-Chef Killy Kumberger unter Vertrag genommen, war Clit 1982 zu einer ausgedehnten D-Tour verpflichtet, um die in einer Radioschleife rotierende Single „Keine Probleme Marlene“ und das bald darauf veröffentlichte Album „Der Marathonlauf“ zu promoten. - Doch die LP verkaufte sich mit ca. 2.500 Exemplaren für damalige Verhältnisse nicht in ausreichendem Maße. Es kam zum Bruch mit Repertoire Records. - Wie in so vielen Bands, war es auch bei Clit der Drummer gewesen, der sich mit den Bandgeschäften abmüht hatte, und das auch weiterhin tun sollte. 1984 produzierte er ein zweites Album (Von Zeit zu Zeit) auf eigene Rechnung. Immerhin verkaufte sich der in 1.000 Exemplaren aufgelegte Nachfolger wenigstens kostendeckend und letztlich nicht wirklich schlechter als der über einen bundesweiten Vertrieb vermarktete Marathonlauf. Erstmals seit und anlässlich der inzwischen 30 vergangenen Jahren der Auflösung, gibt es erste Live-Dokumente der Band, die in dieser YouTube-Playlist aufzufinden sind (Mai 2015). #Clit_NDW - Während das Ende von Clit aufgrund des zeitgleich angekündigten Ausstiegs des Sängers und des Keyboarders zum Herbst 1985 beschlossene Sache war, und die Band noch eine Reihe von Abschiedskonzerten absolvierte, begegnete Bothe dem damals noch nicht 20jährigen Ausnahme-Pianisten Thomas Goralczyk.

    Ein spontan gefasster Beschluss zur musikalischen Zusammenarbeit – ebenso spontan als Free Floating benannt – wurde für die kommenden acht Jahre zur Berufung. - Diese Zusammenarbeit hatte in vielerlei Hinsicht Konsequenzen. Unter anderem die, dass die gewagte minimalistische instrumentale Konstellation von Piano und Drums innerhalb einer Konzertlänge von wenigstens 90 Minuten, ebenso nach musikalischer Vielfalt, wie nach deutlich erhöhten Einzelleistungen verlangte. Eher intuitiv geprägt, als nach Plan entstand so eine Arbeitsweise, in der das Duo oft in Endlosschleifen Ideen entwickelte, oder in sich selbst versunken, an individueller Weiterentwicklung arbeitete. Diese Arbeitsweise war in Bezug auf die handwerklich Weiterentwicklung Bothes ein Segen. Das rhythmische Erfassen des Notensystems wurde nun endgültig zum Muss; das Üben der rudimentären Grundlagen des Schlagzeugspiels zum Standard. - Die ursprüngliche musikalische Basis Free Floatings waren Blues und Boogie Woogie. Ausflüge zum Swing waren integriert. Doch schon das erste Album „Live“ (87/LP), Mitschnitt eines Konzertes im Braunschweiger FBZ zeigte auch experimentelle Seiten des Duos (Hard Work) auf. Auf die nahezu vollständige Abwendung von Blues und Boogie Woogie zugunsten von Jazz-verliebter Strukturen folgte bald die CD-Produktion „Two Men Orchestra“ (1988). Leider geriet sie zu einem so gravierenden finanziellen Abenteuer, das sie zu einer langjährigen Belastung für das Duo werden sollte. - 1990 wurde Free Floating unter der Mitwirkung des Bassisten Jürgen Englert zum Trio. Sein Nachfolger bis zum vorläufigen Ende des Projektes 1991 wurde Heinrich Römisch. Zuvor hatten sich Bothe und Goralczyk aber noch einmal neu in Blues und Boogie Woogie verliebt. Unter dem Namen Boogie Company lebte das anfängliche Konzept Free Floatings erneut auf. - 1992 kam es zum Bruch zwischen den beiden Musikern, die ungezählte Male auf der Bühne gestanden hatten. Kurioserweise geriet die anfangs 1993 vollzogene Abschieds-Tournee Bothes und Goralczyks zum wohl größten Erfolg der gemeinsamen Jahre. Das von Bothe aus vorhandenem Live-Material plus Studio-Bonus-Tracks produzierte Boogie Company-Album „On Stage“ (93/CD), begleitete diese ebenso schweren wie inspirierten vorerst letzten Tage des Duos. - Eine Wiedergeburt der Boogie Company 1999 hielt nur bis ins Jahr 2001. Sie hatte neben einigen Konzerten zwischen Ostseeküste und Sauerland die Maxi-CD„Heartbreaker“ (Idol Rec./99) hervorgebracht.

    Eigentlich hatte Heartbreaker ein Album unter der Mitwirkung von diversen Gastmusikern werden sollen. Doch die musikalischen Beiträge der Gäste stießen im Produktionsteam - zu dem in diesem Fall nicht nur Label-Chef Ingo Leonhardt gehörte - nur auf wenig Gegenliebe. Lediglich der Eutiner Blues-Harp-Spieler Jens Jordan - ein langjähriger Freund und immer wieder Bühnengast Free Floatings - kam auf der Maxi zum Zuge. - Bothe hingegen hatten die Leistungen des Hardrock- und Metal-Gitarristen Thomas Tomsen zu neuen Wegen inspiriert, und bald darauf ergab sich unter der Regie Bernd Galetzkas (1999) eine Zusammenarbeit auf Studio-Ebene. Galetzka fügte dem musikalischen Geschehen Bass und Gesang hinzu, vor allem aber eine ungeheure Kreativität. - Die nun regelmäßigen Studio-Sessions führten aber nur in wenigen Fällen unter dem Konzeptnamen ZorraE zu ausgearbeiteten Songs - zwei von ihnen (Fantasie, Irgendwann) wurden 2002 auf der Eigenproduktion Thomas Tomsen-CD „Best of“ veröffentlicht. -

                                              (rechts: Thomas Tomsen)


    Galetzka hatte erkannt, dass das Ziel, ein komplexes Live-Programm zu schaffen, aus zeitlichen Gründen unrealistisch war. Von nun an wurde völlig frei gespielt, ohne jegliche Vorgaben. Also ein Konzept ohne inhaltlich Konzepte. Und Galetzka hatte keinerlei Hemmungen, immer neue Reime in Deutsch hervorzubringen, egal ob sie inhaltlich einen Sinn ergaben. - Die Ergebnisse zeigten schnell auf, das hier die waren Qualitäten des Teams lagen. Unter dem Namen Galetzka, Bothe, Tomsen, der bald zu GBT wurde, wagte man im Dezember 2000 erstmals auch den Schritt auf die Bühne. - Leider erwies sich der Gitarrest bald als allzu instabiles Bandmitglied. Unmittelbar vor dem Konzert auf dem Eutiner Kleinkunstfest 2001 musste Tomsen durch den Pianisten Thomas Goralczyk ersetzt werden. Eine gute Wahl, wie sich zeigte. Immerhin ist die freie Improvisation nicht jedes Musikers Sache; schon gar nicht über Konzertlängen von bis zu 120 Minuten. - Dem Kürzel GBT wurde kurzerhand ein neuer Hintergrund gegeben: Galetzka Bothe Turbulenz. Und Bothe und Galetzka spielten nun – live, wie im Studio - mit oft wechselnden Solisten.

                                             (Links: Bernd Galetzka)


    Die Bühnenphase des Projektes endete 2002. Dieses Mal war es der schwergewichtige Galetzka, der des Aufwands mit dem Equipment überdrüssig, alle Kreativität des Projektes ins Studio verlagerte. - In den folgenden zwei Jahren, reduzierte sich GBT meist auf die Zutaten Bass, Schlagzeug und Stimme. Die Zahl der dabei spontan entstandenen Songs, die seit dem dem Abbruch der Recording-Sessions 2004 in Galetzkas Archiv schlummern, geht in die Hunderte. - Einige Monate zuvor hatte es noch einen letzten unerwartet inspirierten, und wie immer von allen Vorgaben freie Aufnahme-Abend mit einem Gastmusiker gegeben: dem Metal-Gitarristen Torsten Golomb. Mit Golomb hatte Bothe bereits 2003 gearbeitet... an einem ebenso vielversprechenden, wie mit kurzem Haltbarkeitsdatum versehenem Projekt: Dark Side of the Blues. Vielleicht kommen eines Tages Auszüge von diesem Abend in Galetzkas Studio in irgend einer Form zur Veröffentlichung.

    Nach dem ernüchternden und wenigstens vorläufigen Ende GBTs, und dem definitiven von Dark Side of the Blues, war Bothe aller Bandarbeit und der damit einhergehenden Wagnisse überdrüssig. Ausschließlich auf das Unterrichten und die eigene Weiterentwicklung konzentriert, kamen 2005 dann aber musikalische Ereignisse auf ihn zu, die seine Orientierung in neue Bahnen lenken würden. - Der unerwartete Publikumszuspruch einer vorangegangenen Solo-Performance für die Kulturlernstätte „Klangfarben“ - anlässlich der „Wolfenbütteler Kulturnacht 2003“ war der Auslöser. Zu Beginn 2005 führte er in eine erste Zusammenarbeit mit dem im gleichen Ort ansässigen Musikhaus Schulte.

    Ein Drum-Event in Konzertlänge ging in Planung, und Bothe begann beinahe zu spät konditionell zu trainieren. Dieses erst pure Schlagzeug-Konzert dauerte 100 Minuten, und war so erfolgreich, das es schließlich die Idee gebar, die im Sommer des gleichen Jahres Drum Attaque hervorbrachte.

    Doch zuvor hatte sich noch etwas ganz anderes ereignet: die „Musikmesse Frankfurt“ und ein zweiter Platz im Wettbewerb „das Magazin Drumheads sucht den schnellsten Drummer Europas“. Diese Platzierung (835 Single Strokes in 50 Sekunden) unter hunderten von Teilnehmern - darunter viele qualifizierte Kollegen - zeigte dem Autodidakten etwas Entscheidendes auf... dass die favorisierte, von niemandem geprägte und intuitiv erlernte Stock- und Schlagtechnik kein Irrweg gewesen war

    Die Geschichte der Bands Clit, Free Floating, The Boogie Company, GBT (Galetzka Bothe Turbulenz) und Drum Attaque läßt sich in diesem Abschnitt nicht erschöpfend darstellen. Das wird vielleicht nach und nach auf entsprechenden Unterseiten geschehen. - Überhaupt ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Dies hier ist nur eine Drittfassung ... Fortsetzung folgt






 
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